Zusammenfassung der wesentlichen klinischen Aspekte: PD-(L)1 × VEGF bispezifische Antikörpertherapie bei Lungenkrebs
Modul 4: Patientenauswahl und Biomarker-Integration
Dies ist die Zusammenfassung eines Microlearning-Moduls basierend auf einer Präsentation von Prof. Joshua Sabari, die Sie hier aufrufen können. Bitte lesen Sie vor der Teilnahme unsere Informationen zu CME und Offenlegungen, die Sie ebenfalls hier finden.
Diese Fortbildungsmaßnahme wird durch einen unabhängigen Bildungszuschuss der BioNTech-BMS Alliance unterstützt. Dieses Online-Fortbildungsprogramm wurde für medizinisches Fachpersonal weltweit entwickelt.
Bispezifische Antikörper gegen PD-(L)1 und VEGF kombinieren in einem einzigen Molekül die Checkpoint-Blockade mit antiangiogener Wirkung. Für Ivonescimab deuten präklinische Studien auf eine kooperative Bindung zwischen seinen Zielmolekülen hin, was eine biologische Rationale liefert, die über die bloße Kombination zweier Wirkmechanismen hinausgeht. Ivonescimab (PD-1 × VEGF) und Pumitamig/BNT327 (PD-L1 × VEGF-A) sind zwei der klinisch am weitesten fortgeschrittenen Wirkstoffe dieser Klasse. In der Sitzung wurden drei in China durchgeführte randomisierte Phase-3-Studien zu Ivonescimab vorgestellt. Die präsentierten Daten zu Pumitamig bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) und kleinzelligem Lungenkrebs (SCLC) stammten aus der Phase-2-Entwicklung; ROSETTA Lung-01 ist eine laufende Phase-3-Studie. Bei ROSETTA Lung-02 handelt es sich um eine laufende Phase-2/3-Studie, deren Phase-3-Teil bereits im Gange ist.
In der Studie HARMONi-A bei Patienten mit EGFR-mutiertem nicht-plattenepithelialem NSCLC nach Progression unter einer Therapie mit EGFR-gerichteten Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) verbesserte Ivonescimab in Kombination mit einer Chemotherapie das progressionsfreie Überleben (PFS) (7,1 vs. 4,8 Monate; HR 0,46) und das Gesamtüberleben (OS) (16,8 vs. 14,1 Monate; HR 0,74) im Vergleich zu Chemotherapie allein. In der HARMONi-2-Studie verbesserte Ivonescimab das PFS im Vergleich zu Pembrolizumab bei unbehandeltem, PD-L1-positivem fortgeschrittenem NSCLC (11,14 vs. 5,82 Monate; HR 0,51). Die HARMONi-6-Studie zeigte einen Nutzen hinsichtlich PFS und OS für Ivonescimab plus Chemotherapie im Vergleich zu Tislelizumab plus Chemotherapie bei unbehandeltem Plattenepithel-NSCLC. Zusammengenommen liefern diese Studien Belege für eine Wirksamkeit bei verschiedenen NSCLC-Populationen und -Histologien, wenngleich eine Bestätigung in breiteren globalen Populationen weiterhin wichtig ist.
Auch frühe Daten zu Pumitamig sprechen für eine Fortsetzung der Forschung. In den vorgestellten Daten der Phase-2-Studie ROSETTA Lung-02 lagen die bestätigten objektiven Ansprechraten (ORRs) bei Tumoren mit einem PD-L1-Tumor-Proportion-Score (TPS) von < 1 %, 1–49 % bzw. ≥ 50 % bei jeweils 48 %, 78 % und 100 %; diese frühen Subgruppenbefunde müssen in größeren Studien bestätigt werden.
Das Sicherheitsprofil spiegelt beide Komponenten des Ansatzes wider, darunter VEGF-bedingte Hypertonie, Proteinurie und Blutungen sowie das bekannte Spektrum immunvermittelter unerwünschter Ereignisse. Zu den weiteren berichteten Ereignissen zählen Stomatitis und okuläre Toxizität. Eine initiale Risikobewertung, die frühzeitige Erkennung von Toxizität und die Einbeziehung eines multidisziplinären Teams sind wichtige Bestandteile des Managements.
Insgesamt stellen bispezifische Antikörper gegen PD-(L)1 und VEGF eine vielversprechende, sich weiterentwickelnde therapeutische Strategie dar. Ivonescimab ist in China für ausgewählte NSCLC-Indikationen zugelassen, befindet sich in den USA jedoch noch in der Erprobung, während laufende randomisierte Studien die Wirksamkeit, Sicherheit und optimale klinische Positionierung dieses therapeutischen Ansatzes weiter definieren werden.